Seiten-Logo (ein Globus mit Augen)

Alpiticus - das Portal für alle die "Neues" entdecken wollen!

Seiten-Logo (Globus mit Augen)

zur Startseitezu den Wanderungenzu den EuropareisenInteressantesweitere LinksImpressum / Haftungsausschluss


Keltenschanzen / Viereckschanzen in Bayern

Die keltische Kultur erlebte in der Zeit von 200 v. Chr. bis ca. Christi Geburt in Bayern ihre Hochzeit. In dieser Periode wurden Keltensiedlungen wie die bei Manching gegründet. Warum die Kelten nach Christi Geburt sich aus diesem Gebiet zurückzogen bzw. keine nachweisbaren Spuren hinterließen, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Historisch dokumentiert ist, dass sie von den Römern und z. T. von den Germanen unterworfen wurden, aber waren dieses die einzigen Gründe für ihr so plötzliches Verschwinden? 

  • Wirtschaftskrise?
  • Seuche?
  • verheerende Kämpfe zwischen keltischen Stämmen?
  • gingen sie in der germanischen oder römischen Kultur einfach auf?
  • zogen sie sich nach England oder Irland zurück?
  • hat Cäsar, nachdem er die Kelten unterworfen hat, sie systematisch assimiliert

Eine bedeutende Hinterlassenschaft der Kelten sind die sogenannten Viereckschanzen, die man heute noch überall in Süddeutschland finden kann.

Die meisten Viereckschanzen, die bisher in Bayern gefunden wurden, stammen aus der Zeit der Hochkultur der Kelten in Süddeutschland (200 v. Chr. - Christi Geburt). Bis heute wurden ca. 280 Schanzen in Bayern entdeckt. Wobei die Bezeichnung Schanze nicht ganz korrekt ist, denn eine reine Verteidigungsanlage waren diese Schanzen sicherlich nicht. Eine Viereckschanze kann man sich als viereckige Wallanlage vorstellen, die außen von einem Graben umgeben war. Die Flächen der Schanzen liegen zwischen 1.600 qm und 25.000 qm.4 Die Bedeutung bzw. Funktion dieser Wallanlagen wird derzeit noch heftig diskutiert. Neuerdings werden diese Viereckschanzen auch als Nemeton bezeichnet.

In der Literatur werden derzeit folgende Thesen über die Bedeutung der Viereckschanzen diskutiert:

  • Waren sie reine Kultplätze, bzw. heilige Bezirke, keltische Tempel oder einfach nur Versammlungsplätze?
  • Waren sie Gutshöfe besser gestellter Kelten? Die Schanzen lagen häufig in Gegenden mit sehr gutem Ackerboden und angeblich auch direkter Nähe zu Siedlungen. Heilige Bezirke würde man eher auf Anhöhen erwarten, die meisten Schanzen liegen jedoch in der Ebene. Bei einigen Keltenschanzen wurden tiefe Schächte (bis zu 35 m) nachgewiesen. In diesen Schächten wurden sehr hohe Phosphatkonzentrationen festgestellt. Waren dieses Opferschächte in denen Tieropfer gebracht wurden?

    In ähnlichen Schächten aus Frankreich konnte ein ganz spezieller Aufbau nachgewiesen werden. In verschieden Schichten, die zum Teil durch Bohlen voneinander getrennten waren wurden Gefäße und figürliche Darstellungen gefunden. Diese Schächte wurden also systematisch wieder aufgefüllt. Sie waren daher definitiv keine Abfallgruben. Ob die Schächte aus Bayern einen ähnlichen Zweck hatten, ist noch nicht eindeutig bewiesen.

  • Die Theorie, dass es sich um Viehgatter oder römische Verteidigungsanlagen handeln könnte, wurde sehr bald wieder verworfen. (Für Viehgatter waren diese Anlagen einfach viel zu aufwendig konzipiert worden - für Verteidigungsanlagen lagen sie teilweise viel zu ungünstig im Gelände.)

  • Eine völlig andere Interpretation der Funktion der Keltenschanzen findet man auf der Homepage von Gernot L. Geise: "Keltenschanzen sind für das Leben (zumindest auf  unserem Kontinent) lebenswichtig, denn sie  erfüllen eine technische Funktion: sie wirken harmonisierend auf unsere  Witterungsbedingungen. Diese Behauptung mag auf den ersten Blick fantastisch anmuten, sie  ist jedoch das  Ergebnis ausgiebiger Untersuchungen durch den EFODON e.V. ... dass große Teile des europäischen Kontinents - wenn nicht sogar der  gesamte - komplett und lückenlos mit  "Keltenschanzen" (bzw. Viereck-, Römer-, Schweden-,  Teufelsschanzen usw.) überzogen sind. Es gibt sie nicht nur in Süddeutschland, wie es manchmal noch  behauptet wird. Diese Aussage kann mit  Sicherheit getroffen werden. Auch in Norddeutschland,  Frankreich und in anderen europäischen Staaten wurden Keltenschanzen gefunden. ... Bedingt durch ihre Konstruktion arbeitet eine   funktionsfähige Keltenschanze, technisch gesehen,  anscheinend ähnlich wie ein großer Kondensator. Über dem Schanzengelände bildet sich eine Art ionisiertes Feld, das unter anderem eine  Wetterbeeinflussung  zur Folge hat. So kann man  beispielsweise über (heute noch) aktiven Keltenschanzen beobachten, dass bei bewölktem Himmel hier die Wolkendecke aufreißt. Auch gegen stärkere  Wetterfronten können Keltenschanzen  - wie wir  beobachtet haben - erfolgreich wirken."3
    Quelle: http://www.gernot-geise.de (leider enthält die ursprüngliche Seite nur noch tote Links, so dass eine Recherche in der Ursprungsquelle nicht mehr möglich ist. Wahrscheinlich wird diese Seite demnächst sogar gelöscht.)

 

Je mehr man sich mit den "Schanzen" befasst, desto mehr Fragen tauchen auf:

  • Warum liegen viele Schanzen so dicht beieinander. Einige liegen direkt nebeneinander mit nur wenigen Metern Zwischenraum.. (siehe Deisenhofen / südliche Schanzen)
  • Warum sind nicht alle Schanzen 100%ig identisch. Einige sind rechtwinklig andere nicht (Keltenschanze im Laufzorner Holz)?
  • Warum liegt teilweise der Schanzenboden höher als das umliegende Gelände? Wurden die Schanzen wirklich, wie Gernot L. Geise vermutet, nach einem speziellen Schichtmuster aufgeschüttet? Sollten diese Schichten dann eine bestimmte Wirkung auf die Personen, die sich innerhalb dieser Schanzen befanden, ausüben?
  • Warum befinden sich die Schanzen an den unterschiedlichsten Plätzen? Nach welchen Kriterien wurden die Bauplätze für Schanzen ausgewählt? Die Schanzen liegen nicht immer grundsätzlich an exponierten Stellen oder Anhöhen.
  • Lagen die Schanzen an Handelswegen oder lagen sie versteckt im Wald?
  • Sind die Schanzen vielleicht viel älter, als die Wissenschaft derzeit vermutet? Hatten vielleicht die Kelten diese Schanzen auch nur vorgefunden und dann für eigene Zwecke entfremdet und ggf. umgebaut?
  • Welche Bedeutung hatte der Graben, der die Schanzen umgab? Zusätzlicher Schutz vor Angriffen?
  • Warum findet man östlich der Grenze Salzburg - Salzach - Inn - Passau keine Schanzen? Lebten östlich dieser Grenze andere Keltenstämme, die eine andere Kultur hatten?

Ein großes Problem bei der Deutung von den Schanzen ist die Tatsache, dass die Schanzen natürlich von späteren Generationen ebenfalls benutzt und auch verändert wurden. So wurden etliche Schanzen in den letzten beiden Jahrtausenden oder evtl. den drei oder vier Jahrtausenden erheblich umgebaut. Wenn man Holzreste, Knochen oder Keramiken findet, kann man zwar sagen, dass diese Dinge im XY Jahrhundert dort eingebracht wurden. Man kann aber nichts etwas darüber aussagen, ob bereits Jahrhunderte oder Jahrtausende vorher dieses Stelle auch genutzt aber keine "sichtbaren" / "nachweisbaren" Spuren hinterlassen wurden. Wälle wurden abgetragen oder verlegt, Gräben wurden zugeschüttet oder neu angelegt und immer wieder wurden Spuren vorheriger Nutzungen zerstört. Die Bedeutung dieser Viereckschanzen änderte sich daher in den einzelnen Epochen. Ob die Schanzen wirklich von den Kelten errichtet wurden oder ob diese Plätze von den Kelten erheblich umgebaut wurden lässt sich derzeit noch nicht Sicherheit feststellen. Aus diesem Grund spreche ich im folgenden nicht von Keltenschanzen sondern von Schanze oder Viereckschanze.

 

Einige Fakten sind aber inzwischen fast nicht mehr anzweifelbar: 

Verbindung zu den Römern?

Die Viereckschanzen wurden nicht von den Römern oder bewusst in der Nähe von Römerstraßen erreichtet, da die Römer Rätien erst nach Chr. eingenommen und durch den Bau von Straßen neu strukturiert haben. Die Viereckschanzen selber sind aber sehr viel älter.

Rein sakrale Bedeutung?

Bei dem Fundspektrum, das bei Schanzenausgrabungen gefunden wurde, lässt sich in den meisten der untersuchten Viereckschanzen keine Abweichung zu dem Fundspektrum zeitgleicher Siedlungen feststellen. Es wurden Tierknochen, Keramiken, Werkzeuge, Gebäudefundamente, größere Brandstellen und Abfälle wirtschaftlicher und handwerklicher Tätigkeit gefunden. Also "Utensilien" des alltäglichen Lebens. Hätten die Schanzen eine rein sakrale Bedeutung gehabt, sähe garantiert das Funkspektrum anders aus. Mögliche Schichtungen unterschiedlicher Materialien in den Schanzen sind rein zufälliger Natur und durch die jeweilige Nutzung der Schanze zu erklären. Natürlich kann es durchaus sein, das einzelne Anlagen nur für sakrale Zwecke genutzt wurden. Die Mehrzahl der Anlagen unterlag aber einer multifunktionalen Nutzung.

Opferschächte?

Bei den meisten in einzelnen Anlagen vorgefundenen Schächten handelt es sich um ganz profane Brunnenschächte. Diese Brunnenschächte wurden, noch während der Nutzung der Anlage oder nachdem die Anlage nicht mehr benötigt wurde, nach und nach mit Unrat verfüllt. So lässt sich auch hier die unterschiedliche Schichtung ganz einfach erklären. In einzelnen Schächten fand man hineingeworfene Baumstämme, phosphathaltige Erde, Kieselsteine, Asche, Holzbrettchen usw. 
Phosphathaltige Erde entsteht wenn man Fleischreste oder  Exkremente von Menschen oder Tieren mit Erde vermischt. Natürlich kann man jetzt nachträglich leicht behaupten, dass diese Dinge absichtlich in den Brunnen geworfen wurden. Ich aber versuche immer als erstes, sofern keine anderen eindeutigen Beweise vorliegen, von dem Nächstliegenden auszugehen. Unbenommen dessen ist es nicht auszuschließen, dass in Einzelfällen so ein Schacht auch zu rituellen Zwecken errichtet wurde und die gesamte Anlage eine Heiligtum-Funktion hatte. In den allermeisten Fällen handelt es sich aber um ganz normale Brunnenschächte. 

Geomantische Besonderheiten

Geomantische Besonderheiten, die einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben könnten, konnte ich bei keiner der von mir untersuchten Schanzen feststellen. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schanzen wiesen die Pflanzen keine Anomalien auf. Auch bei der Zusammensetzung der Flora waren keine signifikanten Unterschiede auf dem ersten Blick zu erkennen. Keine der, in esoterischen Schriften, aufgestellten Behauptungen und Theorien konnte ich in der Realität nachweisen. Ebenfalls war es mir bisher noch niemals möglich, angeblich über den Schanzen entstehende Wetterphänomene zu erkennen.


Untersuchungsergebnisse einzelner Viereckschanzen

Untersuchungsergebnisse einer Schanze bei Holzhausen (500 - 15 v. Chr.) bei Gd. Straßlach:


- in der Nordwest-Ecke der Schanze stand ein hölzernes Gebäude mit überdecktem Umgang. Tempel?

- 3 Schächte (mit Tiefen von 6m, 18m und 35m) wurden entdeckt. In diesen Schächten fand man eine erhöhte Phosphatkonzentration. => Opferschächte? Brunnen, die später als Entsorgungsplätze genutzt wurden? Brunnen, in die nach einem Überfall die Leichen geworfen wurden? 

 

Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Holzhausen Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Holzhausen

Keltenschanze bei Holzhausen (Gd. Straßlach)
Außenansicht mit Zugang
Diese Schanze wurde archäologisch untersucht.
Maße: 90m X 85m
Drei Schächte mit 36 m, 18m und 6m Tiefe konnten nachgewiesen
werden.

Keltenschanze bei Holzhausen (Gde. Straßlach-Dingharting)
Innenansicht

 

Die Schanze bei Holzhausen (bei Fürstenfeldbruck) ist noch sehr gut erhalten. Sie liegt etwas versteckt im Wald.

Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Holzhausen Außenansicht

Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Holzhausen, Innenansicht

Keltenschanze bei Holzhausen (bei Fürstenfeldbruck)
von außen (hierbei handelt es sich nicht um die 
untersuchte Holzhausener Schanze.)

Keltenschanze bei Holzhausen (bei Fürstenfeldbruck)
von innen.
Die Ecken der Schanzen wurden immer erhöht.

 

 

Keltenschanze im Laufzorner Holz (westlich von Deisenhofen)

Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze, Deisenhofen Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Laufzoner Holz Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Laufzoner Holz

          

Keltenschanze im Laufzorner Holz 
(erbaut im 1. Jahrhundert vor Christus)
(westlich von Deisenhofen)
Die Schanze ist noch sehr gut erhalten. Hier ist der
Graben, den früher alle Schanzen umgeben haben
noch sehr gut sichtbar. Dieses ist eine der wenigen 
nichtrechtwinkligen Schanzen.*9

    
  
Einige Meter südlich der Schanze verläuft die im 2. Jahrhundert nach Christus erbaute Römerstraße, die die Städte Salzburg und Augsburg verbindet.
 

Viereckschanze, Keltenschanze, Römerschanze Laufzoner Holz Wall mit Graben
 

Laufzorner Schanze: Graben mit Wall auf der linken Bildseite

 

Laufzorner Schanze: Innenansicht mit Blick auf den süd- und nordwestlichen Wall

 

Laufzorner Schanze: Blick auf den südwestlichen Wall, links hinter dem Wall beginnt das innere der Schanze

Merkwürdig ist an dieser Schanze, dass sie nicht, wie die meisten Schanzen rechtwinklig ist. Geologische Besonderheiten, die so eine Form zwingend vorgegeben hätten, sind heutzutage nicht mehr zu erkennen. Weder Flussläufe oder Felsformationen sind in der Nähe der Schanze zu entdecken. Ebenfalls schließe ich aus, dass die Keltenschanzen nach geomantischen Kraftfeldern, sofern es sie gibt, ausgerichtet wurden, denn ansonsten wiesen viel mehr Schanzen  spitze und stumpfe Winkel auf da sich geomantische Kraftlinien normalerweise nicht an rechte Winkel halten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass gewisse "Dinge" noch in der Schanze liegen mussten, bzw. außerhalb der Schanze sich befinden mussten. Diese Dinge konnten, so wie ich weiter unten ausführe, z. B. bestimmte Pflanzen oder auch Bodenformationen sein. In diesem Fall, so glaube ich, musste diese Schanze eine bestimmte Mindestgröße aufweisen und an einem ganz bestimmten Ort (heiligen) errichtet werden. Sie durfte aber nicht bestimmte Pflanzenwuchsstandorte, die mit den "bösen" Geistern in Verbindung gebracht wurden, einschließen.



Untersuchungsergebnisse der Buchendorfer Anlage
8:

  • gehört zu einen der best erhaltenden Anlagen in Süddeutschland

  • diese Schanze stammt wahrscheinlich aus der Latienzeit (500 - 15 v. Chr.)

  • die Wälle weisen etwas erhöhte Ecken auf

  • außen um die Wälle konnte ein Graben nachgewiesen werden. Es kann jedoch nicht geklärt werden, wann der Graben aufgefüllt wurde, ggf. bereits zur Zeit der Kelten.

  • in der Nordwestecke der Schanze stand ein hölzernes Gebäude, war es evtl. ein Tempel?

  • die Hügelgräberfriedhöfe bei Frost Kasten, Stockdorf und Mühltal stehen ggf. mit dieser Schanze in irgend einem Zusammenhang.
    => Fotodokumentation der Hügelgräber vom Mühlthal

  • das Siedlungsgebiet wird in der Ortsflur von Gauting vermutet

 Viereckschanze, Keltenschanze bei Buchendorf
Blick auf die östliche Ecke der Buchendorfer Keltenschanze
(Außenansicht)

Viereckschanze, Keltenschanze bei Buchendorf
Blick auf die östliche Ecke der Buchendorfer Keltenschanze
(Außenansicht)

Viereckschanze, Keltenschanze bei Buchendorf

Blick von innen auf die westliche Ecke
(Innenansicht)

Viereckschanze, Keltenschanze bei Buchendorf
westliche Ecke
(Außenansicht)



südliche Ecke
(Außenansicht)

(die leicht erhöhte Ecke gegenüber den Wällen ist hier sehr gut zu erkennen)


westliche Ecke
(Innenansicht)

Kelten-Clan-Theorie

Ich persönlich gehe davon aus, dass die Viereckschanzen "heilige" Versammlungsplätze / Andachtsplätze waren. Die Bezeichnung als Schanze, also einem militärischen Stützpunkt mit einer Feldbefestigung, ist daher falsch. Präziser wäre es, diese Plätze als "forum sacrum " (heiliger Markt- bzw. Versammlungsplatz) im zu bezeichnen. Die bisher noch offene Fragen bezüglich der "Schanzen" lassen sich mit der folgenden von mir aufgestellten Kelten-Clan-Theorie erklären (ob diese Theorie bereits vor mir schon jemand aufgestellt hat, weiß ich nicht).

Für einen Vieh Kral waren diese Anlagen viel zu wendig konstruiert worden. Auch die Kelten konnten sich nicht den Luxus leisten ein paar Rinder hinter meterhohe Erdwälle, auf denen noch  zusätzlich  eine Palisadenwand errichtet wurde, zu halten. Diese Plätze mussten daher eine "höhere" Bedeutung haben.

Die Kelten lebten überwiegend in Stammesverbänden ((pagi - Ceasar bezeichnete diese Bezirke als pagi = Bezirk, Kanton, Dorf)), die häufig weit voneinander entfernt ihre Siedlungsplätze hatten. Ich nehme an, dass die einzelnen Stammesverbände wiederum in kleinere Kelten-Clans unterteilten waren. Die "Stammes"-Gebiete dieser Clans grenzten teilweise direkt aneinander. Noch heute findet man die Bezeichnung "Clan" also größere Sippenverbände im ehemaligen Rückzugsgebiet der Kelten in Irland und Schottland. Wobei in der Keltenzeit die Clans weit mehr Mitglieder umfassten, als es heute in Irland und Schottland der Fall ist. Diesen Clans standen Unterhäuptlinge bzw. Territorialherren vor. Von einem einheitlichen, in sich geschlossenen Staatsgebiet der Kelten kann also keine Rede sein. 

Jeder Kelten-Clan benötigte einen eigenen "heiligen" Versammlungsplatz. Diese Versammlungsplätze dienten sowohl als

  • heiliger Ort

  • Ort an dem Gerichtsurteile verkündet wurden

  • Festplatz

  • Ort für öffentliche Bekanntmachungen

  • Versammlungsplatz vor Schlachten

Die Funktion war daher zum Teil multifunktional ähnlich, wie die eines römischen Forums. Daher kommt auch der Name "forum sarcum". Viele römische Quellen berichten ebenfalls von der Nutzung dieser Plätze zu kultähnlichen Festveranstaltungen mit Volksfest-Charakter.

Wären es, wie einige Historiker annehmen, reine "Tempelbezirke" gewesen, wäre niemals das einzige Bauwerk auf diesen Plätzen in einer Ecke sondern in der Mitte der Versammlungsplätze errichtet worden. Aber ein Bauwerk in der Mitte dieser  Plätze hätte Versammlungen mit mehreren hundert Menschen nahezu unmöglich gemacht. Aus diesem Grund verzichteten die Kelten bei einigen Versammlungsplätzen auf das Errichten von größeren oder mehreren Bauwerken. Teilweise wurde sogar ganz auf den Bau eines Gebäudes verzichtet.

Diese "heiligen" Versammlungsplätze durften aber nicht überall errichtet werden. Damit ein Platz als "heilig" galt, mussten ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Plätze oder gleich ganze Gebiete wurden aus folgenden Gründen als "heilig" erklärt:

  • Plätze mit bedeutenden besonders großen Eichen (Eichwälder), wobei mächtige Eichen bei den Kelten als Sitz der Götter galten (Nemeton). Weiterhin waren Buchen, Erlen, Ulmen und Eiben heilige Bäume.

  • Plätze an denen besondere ggf. "heiligen" Pflanzen wuchsen z.B. Misteln, bestimmte Pilze, usw.

  • Plätze mit geomantischen Besonderheiten

  • Plätze, an denen Druiden besondere Eingebungen / Visionen hatten

  • Quellgebiete von Bächen, Flüssen oder Seen

  • besondere Felsformationen

Die Versammlungsplätze wurden daher an den unterschiedlichsten geographischen Stellen errichtet. Die Auswahl eines strategisch günstigen Platzes war somit gar nicht notwendig. So erklärt sich auch, dass viele Plätze in Senken oder am Fuße einer natürlichen Erhebung errichtet wurden. Direkte Gemeinsamkeiten der Lokalitäten bestanden daher gar nicht und können aus diesem Grund auch heute nicht nachgewiesen werden.

Sobald ein Gebiet als "heilig" eingestuft wurde, durfte dort ein Versammlungsplatz errichtet werden. Da diese ausgesuchten, "heiligen" Gebiete nicht in unbegrenzter Zahl vorhanden waren, aber jeder Clan seinen eigenen Platz  beanspruchte, wurden teilweise mehrere Versammlungsplätze in unmittelbarer Nähe errichtet. Jeder Platz gehörte also einem bestimmten Clan. 
Die unmittelbare Nachbarschaft von Schanzen ist auch dadurch zu erklären, da diese Plätze auch "entweiht" werden konnten. Sollte so ein Platz, durch irgendeinen Umstand entweiht worden sein, so durfte dieser Platz nicht mehr betreten werden. Man errichtete daher direkt neben der entweihten Schanze eine neue.

Je mehr Mitglieder einem Kelten-Clan angehörten, desto größer und mächtiger wurde der Versammlungsplatz gebaut. So ist es auch zu erklären warum größere und kleinere Schanzen existieren.

Diese heiligen Plätze sind vergleichbar mit den Kirchen in der heutigen Zeit. Auch bei den Christen besitzt häufig jede Gemeinde innerhalb einer Stadt eine eigene Kirche bzw. einen eigenen Versammlungsraum. Die Größe der Kirche ist ebenfalls wieder oft von der Finanzkraft der jeweiligen Gemeinde abhängig.

Die Versammlungsplätze mussten auch nicht nach einer bestimmten strengen geometrischen Form gebaut werden. Es gab nur 5 Vorgaben für den Bau eines Versammlungsplatzes:

1. Der Platz musste von einem Wall umgeben sein
2. Der Platz musste von einem oder mehreren Gräben umgeben sein
3. Die Ecken der Wälle mussten erhöht sein
4. Der Zugang zum Platz durfte nicht im Norden liegen. Vom Norden kamen die "bösen" Nordgeister.
5. Der Platz musste 4 Ecken aufweisen (rechtwinklige Winkel mussten nicht auftreten).

Die Form des Versammlungsplatzes wurde daher einfach den natürlichen Gegebenheiten, die vor Ort herrschten, angeglichen. Dort, wo die geographischen Gegebenheiten es zuließen, wurden rechteckige Andachtsplätze errichtet, ansonsten hatten sie z.B. trapezförmige Grundflächen. Die Verbreitung der viereckigen Schanzen, die alle ähnliche Baumerkmale aufweisen, reicht von Zentralfrankreich bis nach Böhmen und Mären. 5 In den übrigen Teilen Europas wurde beim Bau der heiligen Plätzen nicht stringent die Viereckform verwendet.

Das Baumaterial für den Erdwall wurde aus direkten Umgebung genommen. So entstanden die Gräben, die den Wall umgeben. Man verband auf dies Weise das Praktische mit dem Nützlichen. Der Aufbau des Walls mit dem Graben entsprach einer stilisierten Befestigungsanlage einer keltischen Siedlung. Die Götter, die ihren Sitz in den heiligen Bezirken hatten, sollten sich durch diese symbolischen Verteidigungsanlagen an diesen Plätzen sicher fühlen.

Unter optimalsten Bedingungen wurde der Graben, der die Wälle umgeben musste, durch einen vorhandenen Bach gespeist werden. Der Graben sollte die bösen Götter davon abhalten diesen heiligen Platz zu betreten oder den guten Göttern symbolischen Schutz bieten. Die Höhe der Wälle, wurde wie auch die gesamte Größe des Platzes, von der Anzahl der Mitglieder des Clans bestimmt. Clans mit nur wenigen Mitgliedern waren nur in der Lage kleine Wallanlagen zu errichten. Einige Wälle waren daher nicht höher als 1 m.

Ebenfalls dienten die erhöhten Ecken der Wälle zur symbolischen Abwehr der bösen Geister.

Der Boden der Schanzen wurde teilweise gegenüber dem umliegenden Gebiet aus rein physikalischen Gründen etwas erhöht. Die Andachtsplätze lagen teilweise in einer sehr feuchten, morastigen Umgebung. Es war also notwendig, damit sich der Boden bei größeren Versammlungen nicht sofort in Schlamm verwandelt, ihn gegenüber der Umgebung anzuheben. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen größere Versammlungen an diesen Plätzen abzuhalten. 
Warum der Boden auch bei Schanzen, die auf einer Anhöhe liegen teilweise um bis zu 1 m höher ist als die Umgebung (z.B. Schanze bei Buchendorf) konnte ich noch nicht klären. Auffällig ist, dass der Innenraum der Schanzen immer waagerecht ist. In einigen Fällen wurden wahrscheinlich auch einfach nur die Bodenerhebungen (kleine Hügel), die sich innerhalb der Schanze befanden eingeebnet und dadurch wurde teilweise der Boden auch etwas angehoben. Eine daraus resultierende Erhöhung des gesamten Innenraums um bis zu 1m ist nicht zu erklären.

Ebenfalls sind die Wälle und Ecken einer Schanze 


Der Verlauf der Wälle wurde nicht der jeweiligen Topgraphie angepasst. Bei der Konstruktion der Wälle wurde peinlich genau darauf geachtet, dass die Dammkrone zu 100% waagerecht angelegt wurde. Vom Innenraum aus gesehen, sind somit die Wälle gleich hoch. Sie wurden nicht, wie man es häufig bei militärischen Befestigungsanlagen vorfindet, der Topographie angeglichen. So kann es durchaus vorkommen, das der Südwall eine Höhe von ca. 2 m zur Außenumgebung aufweist und der Nordwall stattliche Höhe von 4,50 m. Diese Tatsache ist auch wieder ein Indiz dafür, dass es sich unter höchstwahrscheinlich um keine realen Verteidigungsanlagen handelte. Ebenfalls ist damit auch die These wiederlegt, dass es sich um umfriedete Viehgatter handelte.

Der Zugang zu den Schanzen durfte nicht, wie bereits erwähnt, im Norden liegen. Der Zugang diente nicht nur dem physischen Zugang der Kelten zu diesem Platz. Er musste ebenfalls so liegen, so dass Sonnenstrahlen durch ihn einfallen (im übertragenen Sinn "eintreten") konnten. Daher liegen alle Zugänge zu den Schanzen im Osten, Süden oder Westen also analog dem Lauf der Sonne. 
Warum bei der Schanze bei Deisenhofen der einzige Zugang im Nordosten liegt, konnte ich noch nicht klären. Wahrscheinlich handelt es ich bei dem jetzigen Zugang nicht um den Originalzugang. Die Schanzen wurden von späteren Generationen oft als Viehweide oder Acker verwendet und es wurden zusätzliche Zugänge geschaffen oder verlegt und andere wieder zugeschüttet. 

Die Befestigungsanlagen der Schanzen waren exakt genauso aufgebaut, wie die Verteidigungsanlagen der keltischen Siedlungsflächen und Städte. Sie bestanden wie bereits ausgeführt aus einem Graben oder Doppelgraben, einem Wall mit erhöhten Ecken zur besseren Verteidigung und einer Palisadenmauer auf der Wallkrone. Der einzige Unterschied bestand in der Größe und Funktionalität der Befestigungsanlage. Die gesamten Befestigungsanlagen dieser Plätze waren viel kleiner, da sie niemals für eine reale Verteidigung konstruiert waren. Die dienten lediglich zur symbolischen Verteidigung gegen die bösen Geister. Ebenfalls bei der Kultstätte "Stonehenge" kann man heute noch symbolische Wallanlagen (Verteidigungsanlagen) nachweisen. 

Aufgrund dieser neuen Kelten-Clan-Theorie ist es jetzt auch verständlich, warum alle Versuche scheitern mussten, Gemeinsamkeiten bezüglich der Himmelsausrichtungen, der Formen, der Maße, oder der Lage der Schanzen zu entdecken. Ebenfalls waren die Versuche zum Scheitern verurteilt, in denen nachgewiesen werden sollte, dass die Schanzen alle auf bestimmten geomantischen Linien liegen. 
Die Schanzen auf eine einzige Funktion zu reduzieren, ist völlig falsch. Sie waren wie die Marktplätze bei den Römern oder auch später im Mittelalter multifunktionale Versammlungsstätten, Festplätze, Orte an denen Recht gesprochen wurde und Andachtsstätten zugleich. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich meine Theorie nicht ausschließlich auf den Stamm der Kelten begrenzen möchte. Diese Theorie ist ebenso anwendbar auf die Kulturen im Neolithium, auf die evtl. die Ursprünge dieser Schanzen zurückgehen könnte 

Warum verschwanden die Kelten so plötzlich aus Süddeutschland?

Das plötzliche Verschwinden der Kelten vom europäischen Festland ist meiner Meinung nach alleine auf die römische Strategie und hier besonders die von Gaius Julius Cäsar (100 - 44 v. Chr.) zurückzuführen. 

Häufige Stammesfehden zwischen den einzelnen Stammesverbänden waren keine Seltenheit. Die Siedlungsplätze wurden daher mit Wällen, Gräben und Mauern geschützt. Ein imposantes Beispiel zeigt die Keltensiedlung bei Manching. Die Siedlungsfläche bei Manching umfasste 380 qkm und war durch eine 8 km lange Mauer geschützt. Derartige riesige Befestigungsanlagen wären nicht notwendig gewesen, wenn die einzelnen Stammesverbände sich nicht permanent bekriegt hätten. Für Cäsar war es daher ein Leichtes, da es die Kelten als einheitliches, Volk nicht gab, in Gallien einzufallen und jeden Stammesverband einzeln zu unterwerfen. Bis zum Einmarsch von Cäsar in Gallien, gab es einen regen Handel zwischen den Kelten und den Römern.  Die Frage, warum Cäsar in Gallien eingefallen ist, lässt sich nach den neuesten Theorien leicht erklären. Cäsars eigene Rechtfertigung (aus "De Bello Gallico") stellt sich jetzt im Nachhinein als Schutzbehauptung dar. Dieses Werk ist übrigens bis heute eines der wichtigsten Quellen über die Kultur der Kelten in Frankreich. Es ging Cäsar überhaupt nicht darum, ein "befreundetes" Volk vor den einwandernden Helvetiern zu schützen, sondern um ganz andere Dinge.

Bereits zu Cäsars Zeiten hatten die Kelten Goldmünzen als offizielles weit verbreitetes Zahlungsmittel eingesetzt. Im gesamten römischen Imperium wurden aber zu dieser Zeit größtenteils andere, minderwertige Metalle als Zahlungsmittel verwendet. Die Kelten hatten das Gold für die Münzen  jedoch nicht, wie man bisher angenommen hatte, durch einen Tauschhandel von anderen Völkern erhalten, sondern selber gewonnen. Alleine im heutigen Frankreich kann man bis zu 400 Verhüttungsplätze zur Goldgewinnung nachweisen. Cäsar, den hohe Schulden drückten, war unter anderem genau an diesen Goldreserven interessiert. Durch die Unterwerfung der Kelten konnte er daher einfach seinen "Haushalt" sanieren. Zusätzlich konnte er jeden militärischen Erfolg gebrauchen, um sein Ansehen im Senat von Rom zu erhöhen.6

Cäsar hatte erkannt, dass bei den Kelten die Druiden eine zentrale Rolle im Gesellschaftssystem darstellten. Nur durch den Glauben an die keltischen Götter und das Praktizieren bestimmter Riten wurde die keltische Gesellschaft zusammengehalten. Der Ausschluss von den heiligen Opferhandlungen war eine der schwersten Bestrafungen für ein Vergehen in der keltischen Gesellschaft - der Ausschluss wurde teilweise mit der Todesstrafe gleichgesetzt. 
Würde man jetzt den keltischen Stammesverbänden, die "Hüter" der Götterwelt (also die Druiden) berauben, ließen sich die Stammesverbände selber viel leichter assimilieren. Zum Vorteil kam Cäsar auch noch die Tradition, dass bei den Kelten rituelle Vorgänge niemals schriftlich festgehalten werden durften. Das gesamte rituelle Wissen wurde ausschließlich mündlich von den Druiden bewahrt und an die nächste Druidengeneration weiter gegeben. Die rigorose Verfolgung und Exekution der Druiden durch die Römer musste zwangsläufig zum Zusammenbruch der keltischen Religion und Tradition führen. Die keltische Bevölkerung lebte zwar weiter in den alten Territorien, die alten Götter wurden aber nicht mehr verehrt, da dass Wissen über die speziellen Riten verloren gegangen ist. Der Bau der "forum sacrum" oder Viereckschanzen (wie sie im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden) endete daher abrupt im 1. Jahr. n. Chr..

 

Statistische Werte der Bayerischen Viereckschanzen

Die folgenden Daten habe ich aus dem Werk: Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns7 von Klaus Schwarz entnommen. Dieses Werk ist nicht mehr im Handel zu erhalten. In der Bayerischen Staatsbibliothek in München kann man eine Einsicht in diese hervorragende Übersicht über die bekannten Viereckschanzen in Bayern nehmen.

Untersucht wurden über 100 Viereckschanzen in Bayern.

Größe:
- Die Ausdehnung der untersuchten Schanzen reicht von 1.600 m2 bis 25.000 m2
- Die meisten Schanzen haben eine Ausdehnung von 5.000 - 10.000 m2

Formen:
Folgende Formen weisen die Bayerischen Viereckschanzen auf
- Quadrate
- Rechtecke
- lange Rechtecke
- Parallelogramme
- Trapeze
- Fünfecke
- Mehrfachschanzen (Schanzen, die direkt nebeneinander liegen und sich zum Teil Wälle und Gräben teilen oder Schanzen, die von einer gemeinsamen Wallanlage eingeschlossen wurden)

Lage der Eingänge zu den Schanzen:
Von 105 untersuchten Viereckschanzen wiesen 68% einen Zugang, der im Osten lag, auf und nur jeweils 16% einen Zugang im Westen oder Süden.

Sie haben noch weitere Fragen zu den Viereckschanzen oder Sie möchten einfach mit mir über das eine oder andere Thema diskutieren, dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Ich freue mich über alle Mitteilungen.

 

Spätkeltisches Oppidum* (Fentbachschanze) bei Fentbach

Dieses Oppidum* war eine frühere Siedlung der Kelten. Leider wird durch die landwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen immer mehr die ursprüngliche Form geschleift. Die Befestigungen bei diesem Oppidum bestanden aus zwei Wällen (siehe Skizze).

Nur aus der Vogelperspektive kann man die ganze Anlage erfassen. Wenn man vor Ort steht, ist man etwas enttäuscht, da nur noch der innere Hauptwall fast vollständig erhalten ist, trotzdem ist es ein sehr interessanter Platz.

* Ein Oppidum ist ein keltischer Siedlungsplatz. In Fentbach sind die Befestigungen (doppelter Ringwall nach Süden und Südosten) noch zum Teil gut erkennbar. Der innerste Befestigungswall, der heute noch sehr gut sichtbar und jetzt mit Laubbäumen bewachsen ist, war wahrscheinlich früher als "Murus Gallicus" (so hatte Cäsar diese Befestigungen getauft) ausgebaut. Die Murus Gallicus bezeichnet man auch als Pfostenschlitzmauer, dieses war eine Mauer, die aus Steinen bestand und auf der Innenseite durch einen Wall gestützt wurde. Dieses Oppidum wurde wahrscheinlich nur rund 150 Jahre genutzt (150 - 15 v. Chr.). Einen guten Überblick über das Wirken der Kelten in Bayern erhält man in Archäologischen Museum in München.
 

Ideen, Anregungen von Besuchern dieses Internetauftritts

"Könnte es sein, daß, bzw. ist es bereits geprüft worden, ob die Zugänge der Schanzen - anlog zu Anlagen wie Goseck u.v.a. - eine Ausrichtung auf die Sonnenwenden bzw. Tag- und Nachtgleichen besitzen, also die Sonne zu den besagten Terminen durch die Tore scheint? Wie sie selbst geschrieben haben, ist der teilweise Umbau in späterer Zeit zu bedenken.
 
Und vielleicht läßt sogar die exakte Übereinstimmung von Zugängen mit dem Sonnen stand zu einem angenommenen Bauzeitpunkt auf diesen rückschließen...
 
Auch vorstellbar wäre - wofür sich doch auch weltweit Zeugnisse verschiedenster Kulturen finden - die Anlage von Schanzen nach bestimmten Sternbildern. Sicher eine Sisyphusarbeit, diese Theorie zu überprüfen. [...]
Es dürfte, wenn man im Besitz der auch von Ihnen z.T. genannten Literatur ist, zumindest kein größeres Problem sein, in Bezug auf den Sonnenstand an Sonnenwenden und Tag- und Nachtgleichen mal eine Vorab-Prüfung anhand der Bilder (und der Ausrichtung der betr. Schanzen zu den Himmelsrichtungen) vorzunehmen, ob zumindest ein Teil von denen diese Ausrichtung der Tore (Zugänge) besitzt. Diese Idee hatte ich eben, weil doch alte kalendarische Stätten wie Goseck, Odry, Stonehenge, die Sonnenpyramide in Mexiko, die Cheopspyramide u. v. a. eine solche Ausrichtung besitzen.
Daß womöglich gar Sternbilder die Vorlage für Anlagen auf der Erde sein könnten, geht ebenfalls aus den Parallelen zur Cheopspyramide und anderen Großbauwerken in aller Welt (siehe z.B. dementsprechende Filme auf YouTube oder das Buch "Der Himmel ist unter uns") hervor. Sie könnten auch auf Verbindungslinien liegen, die nicht durch Sterne vorgegeben sind, sondern evtl. durch Kraftflüsse usw. ("Ley-Lines").
 
[...] Sicher muß man sich ebenso davor hüten, nur weil es schön in eine Theorie passen würde, Fakten zu ignorieren oder zu verdrehen. Vielleicht hat ja der Herr Geise gemerkt, daß er sich verrannt hatte, und deshalb seinen Internetauftritt geleert. Zumindest muß man die Wirklichkeit ersteinmal auf die Übereinstimmung mit solchen Möglichkeiten hin prüfen, um diese danach evtl. auch zu verwerfen."
 
Thomas P., 03.03.2013
 

Keltische Baumhoroskope oder auch "Baumkalender" *10


In der letzten Zeit stößt man immer häufiger im deutschsprachigem Raum auf sogenannte "Naturlehrpfade" mit denen den Besuchern der angebliche keltische Baumkalender näher gebracht werden soll. Leider sind viele Gemeinden dem Irrglauben aufgesessen, dass diese Baumkalender wirklich aus der Keltenzeit stammten. In Wirklichkeit handelte es sich bei den Baumhoroskopen um eine Auftragsarbeit, für das französische Frauenmagazin "Marie Claire" aus dem Jahr 1971. Der gesamte Kontext wurde frei erfunden. Es gibt keine geschichtlichen Quellen in denen von so einem Horoskop aus der Keltenzeit berichtet wird. 
Ursprünglich ging das Baumhoroskop auf den britischen Dichter Robert Graves (1895 - 1985) zurück. Graves ordnete, in seinem Werk "The White Goddness" willkürlich Ogam-Zeichen einzelnen Bäumen zu und legte so den Grundstein für ein angebliches keltisches Baumhoroskop. Das heute in Deutschland verbreitete Baumhoroskop wurde erstmals 1984 veröffentlicht und beruft sich auf uralte Quellen - leider ist es bis heute noch niemanden gelungen diese Quellen zu benennen bzw. die Seriosität dieser Quellen zu belegen. 
"In einem sich durch drei Instanzen bis zum deutschen Bundesgerichtshof hinziehenden Streit um Fragen des Urheberrechts und das Recht zur Weitergabe der Verwertungslizenzen (Urteil vom 27. Juni 1991, 1. Zivilsenat, Aktenzeichen I ZR 7/90) musste die eigentliche Geschichte des 'keltischen' Horoskops offengelegt werden."*11 Bei diesem Prozess wurde dann die ganze "Wahrheit" ans Licht.

Faszinierend finde ich, dass sogar einige esoterische Gruppen diese Baumhoroskope zu einem zentralen Thema ihrer Religion gemacht haben.

Dieses Beispiel zeigt wieder wie frei erfundene Geschichten mit der Zeit zur "Wahrheit" werden. 
 

http://de.wikipedia.org/wiki/Keltisches_Baumhoroskop (Stand: 19.05.08, 15:30 Uhr)
(c) Tom
Quellen:
- P.M., Ausgabe: Januar 2003, Seite 74 u. 75 / www.pm-magazin.de
- Atlas zur Weltgeschichte, Hermann Kinder, Werner Hilgemann, 1964/1991 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH + Co. KG, München
- 3 http://www.gernot-geise.de
- 4 G. Raschel: http://www.neue-liste-buch.de

- 8Ausstellungstafel an der Buchendorfer Schanze
- 5 Die Kelten - Abenteuer Geschichte; Christinane Éluère; 1994 Ravensburger Buchverlag
- Atlas der Kelten: Von der Hallstatt-Kultur bis zur Gegenwart; Angus Konstam; 2002 Tosa Verlag, Wien
- 6 BBC Exklusiv: Wie die Barbaren wirklich waren. Ausstrahlung von VOX 12.08.2006 21:50
- 7 Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns, Klaus Schwarz , Hrsg. v. der Kommission für bayer. Landesgeschichte bei der Bayer. Akad. d. Wiss. i. V. mit dem Bayer. Landesamt f. Denkmalspflege 
- 8 Schautafel des Landratsamtes München vor der Keltenschanze aufgestellt 
-
9 Schautafel des Landratsamtes München mit einer Landschaftsskizze von Fritz Lutz 1988
- eigene Recherchen.
- 10 Ade D., Willmy A.: Die Kelten. Konrad Theiss Verlag GmbH; Stuttgart 2007
-
11 Wikipedia: Stichwort "Baumhoroskop"


 

=>Impressum