Keltenschanzen / Viereckschanzen in Bayern

 

Die keltische Kultur erlebte in der Zeit von 200 v. Chr. bis ca. Christi Geburt in Bayern ihre Hochzeit. In dieser Periode wurden Keltensiedlungen wie die bei Manching gegründet. Warum die Kelten nach Christi Geburt sich aus diesem Gebiet zurückzogen bzw. keine nachweisbaren Spuren hinterließen, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Historisch dokumentiert ist, dass sie von den Römern und z. T. von den Germanen unterworfen wurden, aber waren dieses die einzigen Gründe für ihr so plötzliches Verschwinden?

  • Wirtschaftskrise?
  • Seuche?
  • verheerende Kämpfe zwischen keltischen Stämmen?
  • gingen sie in der germanischen oder römischen Kultur einfach auf?
  • zogen sie sich nach England oder Irland zurück?
  • hat Cäsar, nachdem er die Kelten unterworfen hat, sie systematisch assimiliert

Eine bedeutende Hinterlassenschaft der Kelten sind die sogenannten Viereckschanzen, die man heute noch überall in Süddeutschland finden kann.

Die meisten Viereckschanzen, die bisher in Bayern gefunden wurden, stammen aus der Zeit der Hochkultur der Kelten in Süddeutschland (200 v. Chr. – Christi Geburt). Bis heute wurden ca. 280 Schanzen in Bayern entdeckt. Wobei die Bezeichnung Schanze nicht ganz korrekt ist, denn eine reine Verteidigungsanlage waren diese Schanzen sicherlich nicht. Eine Viereckschanze kann man sich als viereckige Wallanlage vorstellen, die außen von einem Graben umgeben war. Die Flächen der Schanzen liegen zwischen 1.600 qm und 25.000 qm.4Die Bedeutung bzw. Funktion dieser Wallanlagen wird derzeit noch heftig diskutiert. Neuerdings werden diese Viereckschanzen auch als Nemeton bezeichnet.

In der Literatur werden derzeit folgende Thesen über die Bedeutung der Viereckschanzen diskutiert:

  • Waren sie reine Kultplätze, bzw. heilige Bezirke, keltische Tempel oder einfach nur Versammlungsplätze?
  • Waren sie Gutshöfe besser gestellter Kelten? Die Schanzen lagen häufig in Gegenden mit sehr gutem Ackerboden und angeblich auch direkter Nähe zu Siedlungen. Heilige Bezirke würde man eher auf Anhöhen erwarten, die meisten Schanzen liegen jedoch in der Ebene. Bei einigen Keltenschanzen wurden tiefe Schächte (bis zu 35 m) nachgewiesen. In diesen Schächten wurden sehr hohe Phosphatkonzentrationen festgestellt. Waren dieses Opferschächte in denen Tieropfer gebracht wurden?

    In ähnlichen Schächten aus Frankreich konnte ein ganz spezieller Aufbau nachgewiesen werden. In verschieden Schichten, die zum Teil durch Bohlen voneinander getrennten waren wurden Gefäße und figürliche Darstellungen gefunden. Diese Schächte wurden also systematisch wieder aufgefüllt. Sie waren daher definitiv keine Abfallgruben. Ob die Schächte aus Bayern einen ähnlichen Zweck hatten, ist noch nicht eindeutig bewiesen.

  • Die Theorie, dass es sich um Viehgatter oder römische Verteidigungsanlagen handeln könnte, wurde sehr bald wieder verworfen. (Für Viehgatter waren diese Anlagen einfach viel zu aufwendig konzipiert worden – für Verteidigungsanlagen lagen sie teilweise viel zu ungünstig im Gelände.)

  • Eine völlig andere Interpretation der Funktion der Keltenschanzen findet man auf der Homepage von Gernot L. Geise: “Keltenschanzen sind für das Leben (zumindest auf  unserem Kontinent) lebenswichtig, denn sie  erfüllen eine technische Funktion: sie wirken harmonisierend auf unsere  Witterungsbedingungen. Diese Behauptung mag auf den ersten Blick fantastisch anmuten, sie  ist jedoch das  Ergebnis ausgiebiger Untersuchungen durch den EFODON e.V. … dass große Teile des europäischen Kontinents – wenn nicht sogar der  gesamte – komplett und lückenlos mit  “Keltenschanzen” (bzw. Viereck-, Römer-, Schweden-,  Teufelsschanzen usw.) überzogen sind. Es gibt sie nicht nur in Süddeutschland, wie es manchmal noch  behauptet wird. Diese Aussage kann mit  Sicherheit getroffen werden. Auch in Norddeutschland,  Frankreich und in anderen europäischen Staaten wurden Keltenschanzen gefunden. … Bedingt durch ihre Konstruktion arbeitet eine   funktionsfähige Keltenschanze, technisch gesehen,  anscheinend ähnlich wie ein großer Kondensator. Über dem Schanzengelände bildet sich eine Art ionisiertes Feld, das unter anderem eine  Wetterbeeinflussung  zur Folge hat. So kann man  beispielsweise über (heute noch) aktiven Keltenschanzen beobachten, dass bei bewölktem Himmel hier die Wolkendecke aufreißt. Auch gegen stärkere  Wetterfronten können Keltenschanzen  – wie wir  beobachtet haben – erfolgreich wirken.3
    Quelle: http://www.gernot-geise.de (leider enthält die ursprüngliche Seite nur noch tote Links, so dass eine Recherche in der Ursprungsquelle nicht mehr möglich ist. Wahrscheinlich wird diese Seite demnächst sogar gelöscht.)

Je mehr man sich mit den “Schanzen” befasst, desto mehr Fragen tauchen auf:

  • Warum liegen viele Schanzen so dicht beieinander. Einige liegen direkt nebeneinander mit nur wenigen Metern Zwischenraum.. (siehe Deisenhofen / südliche Schanzen)
  • Warum sind nicht alle Schanzen 100%ig identisch. Einige sind rechtwinklig andere nicht (Keltenschanze im Laufzorner Holz)?
  • Warum liegt teilweise der Schanzenboden höher als das umliegende Gelände? Wurden die Schanzen wirklich, wie Gernot L. Geise vermutet, nach einem speziellen Schichtmuster aufgeschüttet? Sollten diese Schichten dann eine bestimmte Wirkung auf die Personen, die sich innerhalb dieser Schanzen befanden, ausüben?
  • Warum befinden sich die Schanzen an den unterschiedlichsten Plätzen? Nach welchen Kriterien wurden die Bauplätze für Schanzen ausgewählt? Die Schanzen liegen nicht immer grundsätzlich an exponierten Stellen oder Anhöhen.
  • Lagen die Schanzen an Handelswegen oder lagen sie versteckt im Wald?
  • Sind die Schanzen vielleicht viel älter, als die Wissenschaft derzeit vermutet? Hatten vielleicht die Kelten diese Schanzen auch nur vorgefunden und dann für eigene Zwecke entfremdet und ggf. umgebaut?
  • Welche Bedeutung hatte der Graben, der die Schanzen umgab? Zusätzlicher Schutz vor Angriffen?
  • Warum findet man östlich der Grenze Salzburg – Salzach – Inn – Passau keine Schanzen? Lebten östlich dieser Grenze andere Keltenstämme, die eine andere Kultur hatten?

Ein großes Problem bei der Deutung von den Schanzen ist die Tatsache, dass die Schanzen natürlich von späteren Generationen ebenfalls benutzt und auch verändert wurden. So wurden etliche Schanzen in den letzten beiden Jahrtausenden oder evtl. den drei oder vier Jahrtausenden erheblich umgebaut. Wenn man Holzreste, Knochen oder Keramiken findet, kann man zwar sagen, dass diese Dinge im XY Jahrhundert dort eingebracht wurden. Man kann aber nichts etwas darüber aussagen, ob bereits Jahrhunderte oder Jahrtausende vorher dieses Stelle auch genutzt aber keine “sichtbaren” / “nachweisbaren” Spuren hinterlassen wurden. Wälle wurden abgetragen oder verlegt, Gräben wurden zugeschüttet oder neu angelegt und immer wieder wurden Spuren vorheriger Nutzungen zerstört. Die Bedeutung dieser Viereckschanzen änderte sich daher in den einzelnen Epochen. Ob die Schanzen wirklich von den Kelten errichtet wurden oder ob diese Plätze von den Kelten erheblich umgebaut wurden lässt sich derzeit noch nicht Sicherheit feststellen. Aus diesem Grund spreche ich im folgenden nicht von Keltenschanzen sondern von Schanze oder Viereckschanze.

Einige Fakten sind aber inzwischen fast nicht mehr anzweifelbar: 

Verbindung zu den Römern?

Die Viereckschanzen wurden nicht von den Römern oder bewusst in der Nähe von Römerstraßen erreichtet, da die Römer Rätien erst nach Chr. eingenommen und durch den Bau von Straßen neu strukturiert haben. Die Viereckschanzen selber sind aber sehr viel älter.

Rein sakrale Bedeutung?

Bei dem Fundspektrum, das bei Schanzenausgrabungen gefunden wurde, lässt sich in den meisten der untersuchten Viereckschanzen keine Abweichung zu dem Fundspektrum zeitgleicher Siedlungen feststellen. Es wurden Tierknochen, Keramiken, Werkzeuge, Gebäudefundamente, größere Brandstellen und Abfälle wirtschaftlicher und handwerklicher Tätigkeit gefunden. Also “Utensilien” des alltäglichen Lebens. Hätten die Schanzen eine rein sakrale Bedeutung gehabt, sähe garantiert das Funkspektrum anders aus. Mögliche Schichtungen unterschiedlicher Materialien in den Schanzen sind rein zufälliger Natur und durch die jeweilige Nutzung der Schanze zu erklären. Natürlich kann es durchaus sein, das einzelne Anlagen nur für sakrale Zwecke genutzt wurden. Die Mehrzahl der Anlagen unterlag aber einer multifunktionalen Nutzung.

Opferschächte?

Bei den meisten in einzelnen Anlagen vorgefundenen Schächten handelt es sich um ganz profane Brunnenschächte. Diese Brunnenschächte wurden, noch während der Nutzung der Anlage oder nachdem die Anlage nicht mehr benötigt wurde, nach und nach mit Unrat verfüllt. So lässt sich auch hier die unterschiedliche Schichtung ganz einfach erklären. In einzelnen Schächten fand man hineingeworfene Baumstämme, phosphathaltige Erde, Kieselsteine, Asche, Holzbrettchen usw.
Phosphathaltige Erde entsteht wenn man Fleischreste oder  Exkremente von Menschen oder Tieren mit Erde vermischt. Natürlich kann man jetzt nachträglich leicht behaupten, dass diese Dinge absichtlich in den Brunnen geworfen wurden. Ich aber versuche immer als erstes, sofern keine anderen eindeutigen Beweise vorliegen, von dem Nächstliegenden auszugehen. Unbenommen dessen ist es nicht auszuschließen, dass in Einzelfällen so ein Schacht auch zu rituellen Zwecken errichtet wurde und die gesamte Anlage eine Heiligtum-Funktion hatte. In den allermeisten Fällen handelt es sich aber um ganz normale Brunnenschächte.

Geomantische Besonderheiten

Geomantische Besonderheiten, die einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben könnten, konnte ich bei keiner der von mir untersuchten Schanzen feststellen. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schanzen wiesen die Pflanzen keine Anomalien auf. Auch bei der Zusammensetzung der Flora waren keine signifikanten Unterschiede auf dem ersten Blick zu erkennen. Keine der, in esoterischen Schriften, aufgestellten Behauptungen und Theorien konnte ich in der Realität nachweisen. Ebenfalls war es mir bisher noch niemals möglich, angeblich über den Schanzen entstehende Wetterphänomene zu erkennen.

Untersuchungsergebnisse einzelner Viereckschanzen

Untersuchungsergebnisse einer Schanze bei Holzhausen (500 – 15 v. Chr.) bei Gd. Straßlach:

– in der Nordwest-Ecke der Schanze stand ein hölzernes Gebäude mit überdecktem Umgang. Tempel?

– 3 Schächte (mit Tiefen von 6m, 18m und 35m) wurden entdeckt. In diesen Schächten fand man eine erhöhte Phosphatkonzentration. => Opferschächte? Brunnen, die später als Entsorgungsplätze genutzt wurden? Brunnen, in die nach einem Überfall die Leichen geworfen wurden?

 

Keltenschanze bei Holzhausen (Gd. Straßlach)
Außenansicht mit Zugang
Diese Schanze wurde archäologisch untersucht.
Maße: 90m X 85m
Drei Schächte mit 36 m, 18m und 6m Tiefe konnten nachgewiesen
werden.

Keltenschanze bei Holzhausen (Gde. Straßlach-Dingharting)
Innenansicht

 

 

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